Die Provinz Galizien, welche seit dem späten 17. Jh. unter diesem Namen bestand, ist eine der historischen Regionen Polens. Speziell der westliche Teil (westlich des San Flusses gelegen). Er wurde Klein-Polen (Malopolska) im Gegensatz zu Groß-Polen (Wielkopolska), die Provinz Posen also, genannt. Die bedeutenste Stadt, Krakau (Kraków), war lange Zeit Regierungssitz der polnische Könige gewesen. Der östliche Teil Galiziens wurde früher Ruthenien (Ruthenia) genannt und war ursprünglich von den Ruthenen bewohnt, (die heute in Ukrainer und Weißrussen aufgeteilt werden). Wegen des polnischen Einflußes seit dem 14.Jh. siedelten sich mehr und mehr Polen in Ruthenien an, und viele Ruthenen nahmen die polnische Sprache und Kultur an.
Während der polnischen Teilungen von 1772 und 1795 wurde Klein-Polen und Ruthenien von Österreich-Ungarn annektiert. Österreich führte den Namen Galizien für diese neuen Gebiete ein. (1815 wurden die nördlichen Regionen Galiziens an Russland abgetreten und dem Königreich Polen, welches von Russland abhängig war, zugeschlagen). Zwischen 1815 und 1846 war die Stadt Krakau (Kraków) zusammen mit der engeren Umgebung eine quasi unabhängige Republik (auf der Karte unten grün gefärbt). 1846 wurde dieses Territorium Galizien einverleibt und wurde damit Teil Österreichs. Im 19.Jh. waren ungefähr 50% der Bewohner Galiziens polnische Katholiken, die die Majorität in den westlichen Distrikten bildeten und ungefähr ein Drittel der Bewohner des östlichen Teils ausmachten. 40% der Einwohner (meist des östlichen Teils) sprachen Ukrainisch und waren byzantinische Katholiken. Die jüdische Minderheit (ungefähr 10%) lebte meistens in den Städten. Eine kleine deutsche Minderheit war ebenfalls dort ansässig.
Nach dem 1.Weltkrieg wurde Galizien ein Teil des unabhängigen Polens. Während des 2.Weltkriegs wurden die meisten der jüdischen Einwohner der Provinz von den (deutschen) Nationalsozialisten ermordet. Nach dem Krieg wurde Galizien zwischen Polen und der Ukraine (damals noch Teil der Sowjetunion) aufgeteilt. Die meisten Polen, welche östlich der neuen Grenze lebten, wurden nach Polen umgesiedelt, während die ukrainisch sprechende Bevölkerung, vom bei Polen verbliebenen Teil in die Ukraine augesiedelt bzw. in andere Teile Polens umgesiedelt wurde.
Die Karte zeigt das galizische Territorium vor dem 1.Weltkrieg. Die rosafarbene Linie ist die nach dem 2.Weltkrieg gezogene Grenze zwischen Polen und der Ukraine. Für den heutigen ukrainischen Teil Galiziens wurden auch die ukrainischen Städtenamen angegeben sowie zusätzlich die polnischen Namen (soweit diese von den ukrainischen Namen abweichen). Die galizischen Gebietsteile von Zips und Orawa sind gelb markiert, und die rote Linie zeigt die Grenzlinie zwischen Polen und der Tschechoslowakei im Jahre 1920.

Weiteres Material (auf Englisch):
Umfassende Listen der für die Provinz Galizien vorhandenen Kirchenbücher und Personenstandregister